Bayern - Postdienste, Speditionen und Logistik

Interview mit dem Landesbezirksfachbereichsleiter David Merck

Tarifrunde im bayerischen Speditions- und Logistikgewerbe

Interview mit dem Landesbezirksfachbereichsleiter David Merck

David Merck ver.di PSL Bayern David Merck

Was sind die Rahmenbedingungen aus Sicht von ver.di für die anstehende Tarifrunde?

David Merck: Die Speditions-, Transport-, und Logistikbranche in Bayern boomt und ist wirtschaftlich kerngesund. Sie steht aber auch vor großen Herausforderungen und einem fundamentalen Wandel z. B. durch die Digitalisierung.

 ver.di hat zwei Ziele:

  1. Die Beschäftigten müssen ihren Anteil vom Boom der Branche in Form steigender Löhne und Gehälter bekommen.
  2. Wir wollen mit dem Arbeitgeberverband versuchen einen tarifpolitischen Rahmen für die Herausforderungen der Zukunft entwickeln, respektive einen diesbezüglichen Prozess anstoßen.

Wir wollen die Tarifpartnerschaft um den Aspekt einer Zukunftspartnerschaft erweitern. Ob und in welchem Umfang dies gelingt, muss man sehen. ver.di ist hierzu auf jeden Fall bereit.

 Was sind die konkreten Forderungen?

David Merck:  Die Forderungen lauten auf eine Laufzeit von 12 Monaten:

  • 6 % mehr Lohn mindestens 200 Euro pro Monat
  • 100 Euro höhere Ausbildungsvergütungen pro Monat
  • Stufenweise Weiterentwicklung des Weihnachtgeldes (bisher 220-867 Euro) zu einem 13. Monatsgehalt
  • 19 Euro Stundenlohn für Paket-, Brief- und Verbundzusteller, ggf. mittels einer eigenen Entgelttabelle.

Dazu wollen wir über die Zukunftsthemen, Entlastung, Ausbildung sowie Zuschläge diskutieren und sind darüber hinaus offen für Themen der Arbeitgeberseite.

 Entlastung, Ausbildung und Zuschläge - Was genau verbirgt sich dahinter ganz genau?

David Merck:  Die Branche leidet in unserer Wahrnehmung unter Personalmangel und geraden im gewerblichen Bereich unter einem schlechten Image auf dem Arbeitsmarkt.

In unserer Branche wird hart malocht. Schlechte Arbeitszeiten, harte, körperliche Arbeit mit Staub und schweren Gewichten, viele Überstunden, Personalmangel gerade bei den Kraftfahrern, in der Zustellung, aber auch im Lagerbereich sind Alltag in unseren Betrieben.

Wir wollen nun mit unseren Erwartungen tarifpolitisch einen Rahmen für eine Image- und Aufwertungskampagne gestalten.

 a.     Entlastung

Ich werbe dafür, Arbeitszeit neu zu denken. Die Anforderungen der Beschäftigten an ihre Arbeitszeiten ändern sich. Im Kern wollen sie, dass sich der Umfang der Arbeitszeiten ihren Lebensphasen anpasst. Also z. B. vollzeitnah weniger arbeiten für Kindererziehung oder vor der Rente. Umgekehrt brauchen gerade viele junge Beschäftigte Geld und sind bereit hierfür mehr zu arbeiten.

Zurzeit müssten sie bis zu 18 Monaten warten, bis Überstunden ausgezahlt werden. Ich denke da können wir deutliche bessere Regelungen vereinbaren. Ich persönlich bin ein Fan des Entlastungszeitmodells oder von den Möglichkeiten des Tarifvertrags 37c. 

Ich will einfache klare, im Betrieb umsetzbare Regelungen. Wir brauchen mehr Arbeitszeitsouveränität für Beschäftigte.

b.     Ausbildung

Wir haben in der Branche einen Fachkräftemangel, der zum Teil auf Probleme bei der Ausbildung beruht.

ver.di will möglichst hohe Ausbildungsquoten, eine Übernahmegarantie unbefristet in Vollzeit als Regel und eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen. Dazu gilt es tarifpolitisch einen Einstieg zu finden. Die Übernahmeregelungen sind für uns im Zentrum der diesjährigen Verhandlungen.

 c.     Zuschläge

Tarifpolitik muss sich an den Lebenswirklichkeiten der Menschen orientieren. Ich denke wir sollten versuchen, ob wir die teils historisch gewachsenen Zuschläge modernisieren können - ohne das am Ende jemand weniger hat. Hierzu haben wir einen klaren Plan.

Aus meiner Sicht zentral sind die Regelungen zum Nachtarbeitszuschlag, den Mehrarbeitszuschlägen. Über eine Regionalisierung der Löhne mittels tariflicher Zuschläge on top für bestimmte Regionen muss man bei allen damit verbundenen Schwierigkeiten reden können.

Ich persönlich glaube, dass das Feld der Zuschläge das Potential hat, sehr gute Lösungen für alle Seiten zu erzielen; es ist aber auch extrem tricky.

Sind die Geldforderungen aus deiner Sicht überzogen?

David Merck:  Nein. Die 6 % sind absolut vertretbar. Unsere Mitglieder wollen zudem unbedingt eine soziale Komponente für untere Einkommen. Dies werden wir versuchen umzusetzen, wobei wir da extremen Widerstand der Arbeitgeber erwarten. Hier brauchen wir eine hohe Beteiligung der Beschäftigten an unseren Maßnahmen.

Zum Thema Ausbildung habe ich, glaube ich, genug ausgeführt. Hier gilt es die Attraktivität der Ausbildungsbedingungen auch mit Geld zu hinterlegen. 

Beim Thema Weihnachtsgeld geht es um etwas Grundsätzliches. Wir wollen, dass sich unsere Mitglieder mit ihren Familien und Kindern zu Weihnachten etwas Besonderes leisten können. Für uns auch ein emotionales Thema mit einer hohen Bedeutung. 100 % Weihnachtgeld entsprechen einem Lohnplus von ca. 8 %. Deswegen wird man wohl über Stufenlösungen reden müssen. 

Die 19,00 Euro pro Stunde für Zusteller sind in der Region branchenüblich. Fedex zahlt mehr, UPS zahlt im Durchschnitt mehr, bei der Deutschen Post AG kommen wir ohne Besitzstand auf bis zu 18,81 Euro/h + Postwohnungen + Betriebsrente + Altersteilzeit + Kündigungsschutz, bei der DHL Delivery in Baden-Württemberg zahlt DHL 19,04 - 19,11 Euro pro Stunde. Unsere Forderung ist für die Tätigkeit und Region angepasst.

Die derzeitigen Löhne von 13,31 Euro pro Stunde sind es aber nicht - sie sind ganz klar zu niedrig. Wir rechnen mit einer massiven Auseinandersetzung an diesem Punkt, sind aber sehr gut vorbereitet.

Danke für das Interview

München, der 14.09.2018